Zeitmanagement in der Klausur
Viele Kandidaten fallen nicht durch, weil sie zu wenig wissen, sondern weil sie nicht fertig werden. Eine Klausur, der das letzte Drittel fehlt, kann selten mehr als ausreichend sein — egal, wie gut der Anfang war. Hier steht, wie du eine Klausur einteilst, damit am Ende ein vollständiges Gutachten auf dem Papier liegt.
Die Note einer Klausur entsteht über ihre gesamte Länge. Wer die erste Hälfte glänzend, die zweite gar nicht schreibt, verschenkt mehr Punkte, als sich durch noch so saubere Subsumtion am Anfang gewinnen lassen. Vollständigkeit schlägt Perfektion: Ein durchgehend solides Gutachten bis zum Ergebnis steht fast immer besser da als eine brillante, aber abgebrochene Lösung. Zeitmanagement ist deshalb keine Nebensache, sondern eine eigene Prüfungsleistung.
Die grobe Aufteilung
Eine fünfstündige Klausur teilst du sinnvoll in drei Phasen: Erfassen, Skizzieren, Schreiben. Als Faustregel verbringst du etwa das erste Drittel mit Sachverhalt und Lösungsskizze und die übrigen zwei Drittel mit dem Reinschreiben. Das klingt nach viel Vorbereitung — ist aber der Teil, der über die Qualität entscheidet. Wer ohne tragfähige Skizze losschreibt, korrigiert sich später im Fließtext, streicht, schreibt um und verliert genau dort Zeit.
Erste ca. 90 Minuten: Sachverhalt mehrfach lesen, Probleme erkennen, Lösungsskizze als Gerüst. Danach ca. drei Stunden Reinschrift im Gutachtenstil. Letzte 20–30 Minuten: Schluss sauber zu Ende bringen und überfliegen. Die genauen Zahlen verschiebst du nach Rechtsgebiet — im Strafrecht muss man früher ins Schreiben kommen.
Die Skizze ist Gerüst, nicht Rohfassung
Der häufigste Zeitfresser ist eine Lösungsskizze, die schon fast die fertige Klausur ist. Die Skizze soll nur die Struktur festhalten: welche Anspruchsgrundlagen oder Tatbestände du prüfst, in welcher Reihenfolge, und wo die Schwerpunkte liegen. Ganze Sätze gehören nicht hinein. Wer in der Skizze schon ausformuliert, schreibt die Klausur zweimal — und wird beim ersten Mal nicht bezahlt.
Zeitnot kommt oft aus Selbstzweifeln
Ein großer Teil der gefühlten Zeitnot entsteht nicht durch zu wenig Zeit, sondern durch Zögern. Man liest eine Passage zum dritten Mal, traut der eigenen Lösung nicht, formuliert einen Satz um, weil er noch nicht perfekt klingt. Diese Mikro-Verzögerungen summieren sich. In der Klausur gilt: Triff eine vertretbare Entscheidung und schreib weiter. Eine begründete, aber angreifbare Lösung bringt Punkte; ein unfertiges Gutachten bringt keine.
- Vor der Klausur einen festen Plan haben. Leg dir vorher zurecht, wann du spätestens mit dem Reinschreiben beginnst. Diese Uhrzeit ist nicht verhandelbar.
- Schwerpunkte zuerst sichern. Verteile die Schreibzeit nach Gewicht — die echten Probleme bekommen Raum, die Routine bleibt knapp.
- Bei Blockaden weitergehen. Kommst du an einem Punkt nicht weiter, triff eine vertretbare Annahme, schreib einen Satz dazu und geh zum nächsten Prüfungspunkt.
- Das Ende einplanen. Halte dir bewusst Zeit frei, um das Gutachten zu einem echten Ergebnis zu führen. Ein Schluss, der fehlt, fällt jedem Korrektor sofort auf.
Zeitgefühl trainiert man nur unter echten Bedingungen — eine Klausur in der vorgesehenen Zeit, ohne Pause, ohne nachzuschlagen. Und danach die Rückmeldung, ob die Vollständigkeit gestimmt hat oder wo die Zeit verloren ging.
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